Investition in die Zukunft bringt Wachstum und regt die Beschäftigung an

Zentrale Materialversorgung in kunststoffverarbeitenden Betrieben sind inzwischen Standard geworden und nichts Außergewöhnliches. Im Fall der Firma Erofio Atlântico in Leiria/Portugal ist das jedoch ganz anders. Erofio investiert im wirtschaftlich schwierigen Jahr 2013, was sich als erfolgreiche Strategie erwies, denn anspruchsvolle technische Kunststoffe, wie PA, PBT, PES, PC und SAN werden verarbeitet. Unterirdische Rohrleitungstrassen sorgen für Ordnung und optimalen Zugang bei Wartung, Umrüstung und Erweiterung.

30.01.2015

Der Name Erofio ist verbunden mit Manuel Novo, der viel Erfahrung in der Spritzgusstechnik vorweist (seit 1964). 1990 gründete er die Erofio – Engenharia e Fabricação de Moldes, S.A. Zehn Jahre später beschloss Manuel Novo, auf die Komplementarität von Formen und Kunststoffen zu setzen. „Wir haben den Kundenbestand sowie den Markt analysiert und festgestellt, dass unsere Kunden ein montagefertiges Spritzgußteil benötigen. Daher entschlossen wir uns, in Spritzguss zu investieren“, berichtete Herr Manuel Novo der REVIPLAST. Die Investition erfolgte über die Erofio Atlântico, ein Unternehmen, das zur Vermarktung von Werkzeugen in den USA gegründet wurde. 2003 besaß das Unternehmen bereits drei Spritzgussmaschinen für Tests zur Abmusterung von Werkzeugen, Vor- und Kleinserien. Im darauf folgenden Jahr investierte Erofio in eine 2-Komponenten-Spritzgießmaschine. „Um den qualitativen und quantitativen Sprung zur Serienproduktion zu realisieren, war es notwendig, in innovative Maschinen zu investieren und ein kompetentes und motiviertes technisches Team zu bilden, um das Vertrauen der Kunden zu bekommen. Wenn uns die Kunden besuchten, stellten sie fest, dass wir neben Planungs- und Fertigungskapazität für Werkzeuge auch über eine Spritzgusstechnik verfügten, die gleich oder sogar besser war als ihre eigene.“
Im Werkzeugbau ist die neueste Generationen der Maschinen von DMG (Deckel Maho) und im Spritzgußbereich ENGEL-Maschinen im Einsatz.  Erofio war Pionier bei der Investition in CNC-gesteuerten Fünfachszentren und in die additive Metallsinter-Technologie. Beim Spritzgießen verfügt das Unternehmen heute über Schließkräfte von 25 bis 1.100 Tonnen, einschließlich sechs 2-Komponenten-Spritzgußmaschinen und diverse Sonderkonfigurationen.

Investition in die Zukunft
Die Entscheidung, in die Zukunft zu investieren, wurde während der Weltwirtschaftskrise getroffen, „Eigentlich kam es gar nicht so weit, dass wir unter den Auswirkungen dieser Krise zu leiden hatten. Unser Kundenbestand war breit gestreut, dadurch waren wir gut aufgestellt und relativ unabhängig. Und wir waren der Ansicht, dass es der richtige Moment zum Investieren war. In den Jahren von 2010 bis 2012 haben wir 40 neue Arbeitsplätze geschaffen und haben in neue Anlagen sowie in neue Maschinen investiert. Die Strategie ging auf und es war die richtige Entscheidung: die Fakturierung stieg um 2,9 Millionen Euro.“
Der Kundenbestand der Erofio verteilt sich auf die Bereiche Automotive (48% Werkzeuge, 8% Spritzgußteile), elektrische Haushaltsgeräte (39% Werkzeuge, 79%  Spritzgußteile) und Elektronik (7% Werkzeuge, 6% Spritzgußteile). Über die Partnerschaft mit der SEB-Gruppe arbeitet die Erofio für Marken wie Rowenta, Tefal, Moulinex und Electrolux. Mit der ITW-Gruppe arbeitet sie für Marken wie BMW, Mercedes, Volkswagen, Audi, Ford und Peugeot.

Die Umsetzung der Strategie schloss Investitionen in Höhe von 8,5 Millionen Euro und neue Anlagen mit ein. Die beiden Werke zogen auf eine überdachte Fläche von 15.500 m² um, auf der sich der Werkzeugbau und die Spritzerei befinden. Völlig neu aufgebaut ermöglichten es diese neuen Anlagen ein effizienteres Werkslayout zu gestalten. Die Werkzeug- und Spritzgußanlage wurden nebeneinander platziert, mit einer Zwischenfläche für ergänzende Leistungen (Labor, Druck usw.). Das Projekt schließt auf der gesamten Werksfläche Versorgungstrassen mit ein. „Wir wollten die Möglichkeiten nutzen, die ein Neubau mit sich bringt. Mit diesen Trassen ist es uns gelungen, alle Anschlüsse für Wasser, Energie, Daten und Rohstoffe zu installieren, zu modifizieren und zu erweitern. Das Rohrleitungssystem bietet freien Zugang für Wartungsarbeiten selbst bei laufender Produktion“, sagte Herr Manuel Novo.

Zentrale Versorgung mit technischen Kunststoffen
Die Versorgungstrassen waren wichtiger Bestandteil der Investitionsplanung für die zentrale Materialversorgung. Für Erofio war es wichtig, daß die Leitungen unterirdisch und nicht wie sonst üblich in den Produktionshallen verlaufen. Die Wahl fiel auf die Technologie von motan mit technischer Unterstützung der Fa. PLASequip, der portugiesischen Vertretung der motan-colortronic ag. „Für diese Option zählten wir auf die guten Referenzen der Firma und auf das Vertrauen in PLASequip. Ich muss sagen, dass wir sehr hohe Ansprüche an die Anlage und auch eigene Vorstellungen hatten. Abgesehen von der Anpassung des Systems an unsere Konstruktion, bezogen auf die Versorgungstrassen, musste die Anlage den Anforderungen in Punkto Produktivität und Wirtschaftlichkeit entsprechen“, erklärte Herr Manuel Novo.

„Alle zentralen Anlagen müssen an die Materialien angepasst werden“, erklärte Herr Acácio Lourenço von der PLASequip der REVIPLAST. Im Fall der Erofio wurde die Anlage für die Verarbeitung von technischen Kunststoffen mit speziellen Eigenschaften wie Temperatur- und Feuchtigkeitsempfindlichkeit ausgelegt. Einige Maschinen verarbeiten zwei Materialien und Masterbatch, was eine erhöhte Genauigkeit bei der Dosierung und auch bei der Trocknung erfordert.  Bei dieser Anlage entschied sich Erofio für zuverlässige Produkte von motan-colortronic. Mit der Trocknungsanlage und der materialschonenden Granulatförderung profitiert Erofio nicht nur von den Vorteilen der Automatisierung, sondern erhöht auch deutlich die Energieeinsparung dank der innovativen Steuerung der Trocknungssysteme.“  

 
Kombination als Wettbewerbsvorteil
Als wir Herrn Manuel Novo fragten, ob er sich als „Werkzeugmacher, der auch spritzt“, oder als „Hersteller von Teilen, der bei den Formen beginnt“ sieht, konnte die Antwort nicht bezeichnender sein: „Weder das Eine noch das Andere. Es sind zwei unterschiedliche Vorgänge, aber die Kultur ist die gleiche. Wenn wir ein Werkzeug liefern, hat es die Qualität, die wir als Teilehersteller fordern würden. Und wenn wir die Teile liefern, besitzen diese die gesamte darin steckende Technologie von Werkzeugen,. Es ist schon seit langem so, dass diese Trennung von Werkzeugen und Kunststoffen nicht mehr sinnvoll ist, falls es denn je sinnvoll war. Ich denke, dass die portugiesischen Industrien bezüglich Kompetenz und Qualität in der ersten Reihe stehen, sowohl in den einem als auch in dem anderen Bereich. Und es sind die portugiesischen Unternehmen, die bereits aufgezeigt haben, dass diese Trennung von Kunststoffen und Werkzeugen nicht sinnvoll ist. Wir haben immer die Kombination der zwei Kompetenzen als einen portugiesischen Wettbewerbsvorteil betrachtet.“
Erofio hat die Software von Cimatron für die Werkzeugprojektierung im Einsatz. Die gesamte Verwaltung der Werkzeugproduktion wird von einer intern entwickelten  Anwendungssoftware unterstützt. REVIPLAST lässt sich die Software von Miguel Marcelino, dem Leiter des Werkzeugbaus, vorführen. Die Anwendung legt jedes Projekt mit allen technischen Parametern, mit Zeichnungen und Zeitplänen für Planung und Kontrolle detailliert fest und ist nicht abhängig von der Eingabe von Daten. „Unsere Software übertrifft jede auf dem Markt verfügbare Software, weil sie auf unsere Bedürfnisse angepasst wurde und weil sie laufend optimiert wird. Wir haben ein Software-Entwicklungsteam, das die Anwendungen begleitet und die Erfahrung und Verbesserungsvorschläge des Bedienpersonals ins Programm einfließen lassen. Dieser Verbesserungsprozess ist in der Software selbst eingebaut“, erklärt Miguel Marcelino. Dank dieser Software und dem modernen Maschinenpark gelingt es Erofio, die vielfältigen Komponenten des Werkzeugs auf verschiedene Punkte der Maschinenanlage zu verteilen und damit die Ausführungszeiten für die Werkzeuge auf ein Minimum zu reduzieren.
„Bei uns gilt folgende Regel“, führt Herr Manuel Novo aus. „Wenn wir in eine so hochwertige Anlage investieren, müssen wir diese auch entsprechend nutzen: d.h. die Teile müssen in hervorragender Qualität produziert werden, damit sie ohne zusätzliche manuelle Nachbearbeitung montiert werden können. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir stetig in technologisch hochwertige Anlagen investieren. Die finanziellen Mittel sind knapp, und deshalb dürfen sie nicht für Maschinen verschwendet werden, die billiger, aber nicht zuverlässig genug sind um die geforderte Qualität zur erreichen. Dasselbe gilt für das Spritzen. In den Marktsegmenten, in denen wir arbeiten, gibt es nur einen Weg, konstante und hohe Qualität zu garantieren: die entsprechende Technologie zur Verfügung zu stellen.“


Entwicklung
Die Produktion technischer Teilen beschränkt sich nicht auf die Abwicklung von Kundenprojekten. Erofio’s Erfahrung im Spritzguss von technischen Kunststoffen passt sich exakt an dem Kundenbedarf an. Der Bereich Planung und Entwicklung ist in der Lage, Teile zu optimieren sowie Lösungen und Alternativen mit Vorteilen für die Kunden zu entwickeln. Ein praktisches Beispiel für diese Fähigkeit ist der Fall, in dem es um ein Teil für eine Küchenmaschine einer bekannten Marke ging. Hierbei handelte es sich um ein transparentes Teil, hergestellt aus einem sehr teuren, technischen Kunststoff. Erofio entwarf das Teil neu, um es mit einer 2-Komponenten-Spritzgußmaschine herzustellen, und kombinierte den transparenten Teil mit einem kostengünstigeren Kunststoff. Der Kunde erhielt eine viel wirtschaftlichere Lösung, die aber alle Anforderungen an mechanische und thermische Widerstandsfestigkeit und an die Transparenz erfüllte.


Mitarbeiter
„Wir sind nicht immun gegen Krisen oder wirtschaftliche Rezessionen, aber wir haben richtig reagiert. Das verdanken wir nicht nur der Geschäftsführung, sondern auch unseren Mitarbeitern. Die Entscheidungen, die wir getroffen haben, und die Investitionen, die wir getätigt haben, hätten keinen Erfolg gezeigt ohne die Hingabe und der Leistung unserer Angestellten“, führte Herr Manuel Novo aus. „Nie haben wir Investitionen als Mittel zur Reduzierung von Arbeitsplätzen oder zur Gehaltskürzung unserer Mitarbeiter gesehen. Was wir davon erwarten, ist kontinuierliche Verbesserung und Produktivität. Die Mitarbeiter sind das höchste Potential und der wichtigste Faktor für den Erfolg von Erofio. Ohne ein motiviertes Team ist es nicht möglich, Kunden zufrieden zu stellen. Deshalb versuchen wir unsere Mitarbeiter leistungsorientiert und ihren Entwicklungen entsprechend zu entlohnen.“ Bei Erofio gingen die jährlichen Investition mit wachsender Mitarbeiterzahl einher. „Wir haben einen sehr familiären Führungsstil bei Erofio. Innerhalb der Familie ist man anspruchsvoll und man versucht immer, sich vorbildlich zu verhalten. Die Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitern hindert uns nicht daran, sie als Familie zu betrachten. Letztendlich muss ein Unternehmen das auch sein“, schließt Manuel Novo.

Text und Fotos von:
Carlos da Silva Campos
reviplast
revista da indústria de plásticos
Odivelas / Portugal